MENSCHEN

Kévin Réza

Text: Miriam Terruzzi
Bilder: Kathrin Schafbauer

Kévin Réza
«Radfahren kann dir alles geben»
A

ls ich vier Jahre alt war, bin ich das erste Mal Fahrrad gefahren, aus reinem Nacheifern: Mein älterer Bruder war bereits Radfahrer und ich wollte werden wie er. Zunächst war es jedoch keine ernste Angelegeheit für mich. Mit sechs Jahren bin ich mein erstes Rennen gefahren, um mich anschließend, wie es wohl immer der Fall ist, in diese Sportart zu verlieben.


Radfahren hat sowohl etwas Romantisches als auch etwas Grausames an sich und doch lieben wir es auf unerklärliche Art und Weise, vielleicht weil es uns – trotz seiner Härte – die Möglichkeit gegeben hat, zu wachsen und uns selbst zu überwinden, über unsere Grenzen hinauszugehen, der Welt stets gute, bessere Dinge zu zeigen. Radfahren bedeutet, Freude und Schmerz zur gleichen Zeit zu empfinden. Radfahren kann dir alles geben.

Liberté.


In meinem Leben steht Radfahren für Freiheit.
Die Pandemie hat dieses Jahr zu einem sehr schwierigen Jahr gemacht. Nach dem Lockdown, unmittelbar, nachdem ich wieder ein paar Stunden nach draußen gehen und trainieren konnte, wurde meine Bindung zu meinem Fahrrad sogar noch stärker: Radfahren war nicht nur eine Möglichkeit, mich frei zu fühlen, sondern auch, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, neue Ideen zu erhalten, den Alltag und all die schwierigen Situationen, mit denen die Welt konfrontiert ist, hinter mir zu lassen.

Kévin Réza
Kévin Réza

Kévin Réza
Kévin Réza

Le Tour.


Meine schönste Erinnerung habe ich von dem Tag, an dem ich erfuhr, dass ich als Teilnehmer für die Tour de France ausgewählt wurde.
Es war 2013, ich war 24 Jahre alt und ich erlebte extrem intensive Stunden, die ich mit meiner Familie teilen konnte.
Sie freuten sich und waren unglaublich stolz auf mich – deine Familie weiß mehr als jeder andere, welchen Aufwand du betrieben hast, um dein Ziel zu erreichen, besonders beim Radsport, der so ein harter und zäher Sport ist, bei dem die Ergebnisse manchmal nicht im Geringsten deine Bemühungen widerspiegeln.

Die Tour de France ist mein Lieblingsrennen, da es das größte Radrennen der Welt ist.

Was immer auch passiert und was du auch bei der Tour de France erlebst, deine Emotionen und dein Adrenalin sind zehnmal so intensiv wie bei anderen Rennen.

Die Atmosphäre, die du wahrnimmst – beim Start, in den Bergen, bei den Sprints – ist einzigartig und aufregend.
Die Möglichkeit, mit den besten Profis der Welt zu fahren, verleiht dir Energie und du gibst dein Bestes, du gibst einfach alles, was du geben kannst. Es ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung.

Le Tour

Rêver.


Ich träume davon, eine Etappe bei der Tour de France zu gewinnen, meine Arme hoch zu reißen, wenn ich die Ziellinie durchfahre und dabei das Trikot meines aktuellen Teams trage.
Diese Menschen sind einfach wunderbar, sie haben an mich geglaubt und ich möchte mich bei ihnen mit einem Sieg dafür bedanken. Ich weiß, dass das schwierig ist, denn bei der heutigen Wettbewerbsintensität ist es noch komplizierter, doch um ein Rennen fahren zu können, musst du eben einen gewissen Ehrgeiz haben.
Träumen ist dabei genauso wichtig wie schmerzende Beine und ein wenig Glück.

Glorifiant.


Radfahren bedeutet jedoch nicht nur Wettbewerb, sondern vor allem auch Freundschaft.

Deswegen ist es nicht schwer für mich, alles zu tun, um meinem Leader zu helfen, für ihn über meine Grenzen hinaus zu gehen und ihm den Sieg zu gönnen.
Es ist schön zu wissen, dass dieser Erfolg möglich war, weil du und dein Team ihn dabei unterstützt habt. Im Leben wird einem oft erzählt, dass man es nur zu etwas bringt, wenn man ein Gewinner ist, doch anderen zu helfen ist und bleibt die nobelste Aufgabe von allen.


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